Ist Minimalismus für wohlhabende, privilegierte Menschen?

Diesen Eintrag schreibe ich, weil mir dieser Blogpost und dieser Essay schon länger im Kopf herumspukt.

Ausschlaggebendes Argument ist hier: Minimalismus bedeutet, auf Alternativen zurückgreifen zu können, anstatt selbst allen Krempel zu besitzen.
Auf Alternativen kann man zurückgreifen, wenn man wohlhabend und privilegiert ist. Ergo: Wenn man wohlhabend und privilegiert ist, kann man (leichter) Minimalist sein.

Als Beispiel wird hier auch die empirische Beobachtung genannt, wohlhabende und privilegierte Menschen würden weniger Gegenstände mit sich herumtragen. Sie können sich einzelne teure Gegenstände leisten, die eine Vielzahl von anderen ersetzen. Ergo sind sie minimalistischer unterwegs.

Auch das Schlagwort „Risiko“ wird genannt. Minimalismus ist ein Risiko. Ich muss mich in einigen Bereichen auf gemeinschaftliche, gesellschaftliche Angebote und Einrichtungen verlassen, um ohne eigenen Besitz das zu bekommen und zu nutzen, das ich für mein tägliches Leben brauche. Beispiele wären etwa Waschsalon statt eigene Waschmaschine, Carsharing und Leihfahrräder statt eigenes Fahrzeug, Copyshop statt eigener Drucker, .. . Wenn ich einmal nicht auf diese Angebote zurückgreifen kann oder wenn ich etwas wirklich dringend brauche, das ich nicht (mehr) besitze, dann kann ich es mir, sofern ich finanzielle Rücklagen habe, einfach kaufen.

Argumente die genannt werden dafür, dass ärmere Menschen nicht oder schwieriger minimalistisch leben können sind z.B.: man muss Ersatzteile aufbewahren, man kann nicht in Qualität investieren und kauft immer wieder Billiges, mehrfach, man kauft auf Vorrat, braucht Lagerplatz, ..

 

Ich habe mir das wirklich durch den Kopf gehen lassen und vielleicht bin ich zu sehr ein privilegiertes weißes Mädchen, das im wohlhabenden Industrieland Deutschland Philosophie studiert und daher zu realitätsentfremdet ist – aber irgendwo hakt für mich diese Beweisführung. Auch der Spruch „Ich bin nicht reich genug, um mir etwas Billiges zu kaufen“ (weil, kauft man billig, kauft man oft 2x) kommt mir in den Sinn.

Zunächst: wirklich arme Leute sind notwendigerweise, gezwungenerweise Minimalisten. Denn sie haben kaum etwas. Und das, was sie haben, das haben sie bitter nötig. Sie haben nichts, das sie nicht brauchen.

Wir sprechen hier also nicht von Menschem am Existenzminimum, wenn wir von ‚ärmer‘ reden, sondern eher von einer Einkommensklasse, die sich selbst finanzieren kann (oder von staatlicher Hilfe ganz gut über die Runden kommt), denen es an nichts existenziellem wie Kleidung, Nahrung, Wasser oder Strom mangelt und die sich eben kein Bio-Essen, fair hergestellte Kleidung oder ein MacBook Air leisten können.

Diese kaufen vielleicht Kleidung bei Primark und es ist keine Jack Wolfskin Jacke drin, die 10 Jahre hält*. Hier haben wir wirklich ein Problem. Denn ohne eines Tages ein Kapital zu haben, mit dem man investieren kann, ist es dann wirklich schwierig, auf etwas qualitativ Gutes umzusteigen und aus dem Zirkel des Kaufens auszubrechen . Andererseits verleiten niedrige Preise dazu, mehr zu kaufen, und man entscheidet sich dann vielleicht für die Option 5 billige Pullover statt 1 teuren zu kaufen, da man dann das Gefühl hat, doch mehr zu besitzen, auch etwas zu haben. Man ist dazu verleitet, sein Eigentum zu vermehren, um mithalten zu können.

Auf der anderen Seite schöpfen immer mehr wohlhabendere Menschen ihr Prestige daraus, weniger zu haben und können sich das vor allem dank finanzieller Rücklagen leisten. Sie müssen keine Angst haben, dass etwas kaputt geht, da sie es leicht reparieren lassen oder ersetzen können. Sie können auf ein eigenes Fahrrad verzichten und nutzen Leihangebote, denn wenn es einmal nicht klappt, können sie sich kurzfristig ein Taxi leisten. Sie leihen sich Gebrauchsgegenstände, die sie nur selten benötigen, da ihre Freunde ebenfalls nicht sehr arm sind und diese Gegenstände zum Ausleihen entbieten können.

Aber Moment – wenn die ärmere Person nicht genug Rücklagen hat, um auf Eigentum zu verzichten.. dann muss sie entweder die Rücklagen gehabt haben, um Ersatzteile, Werkzeug und ein Fahrrad gekauft zu haben – oder sie hat keine Ersatzteile, keine Werkzeuge und kein Fahrrad. Das widerspricht wiederum der Prämisse: wir sprechen von Menschen, die nicht viel Geld haben, aber viele Gegenstände.

Wenn wir hier nicht grade von irgendwelchen speziellen ökonomischen Modellen ausgehen, dann müsste es doch auch dieser ärmeren Person möglich sein, sich entweder etwas zu kaufen (z.B. Fahrrad + Werkzeuge und Ersatzteile) oder eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen (Leihräder). Hier wäre sogar die letztere Option praktischer, da man kein Startkapital benötigt, sondern nur bei Bedarf zahlt. Außer eben der ‚Risikofall‘ – man braucht doch ein Taxi, weil kein Rad zur Verfügung steht o.ä. Diesen Risikofall hätte man natürlich nicht, wenn man ein eigenes besitzt. Dann hat man jedoch wieder den Risikofall, dass etwas kaputt geht – dann braucht man Werkzeug oder eine Reparatur und man muss ja noch irgendwie von A nach B kommen.

Ich habe mir z.B. auch schon öfters mal Gedanken darüber gemacht, ob es rein finanziell günstiger ist, eine Waschmaschine zu kaufen, mit Anschaffungskosten und Energiekosten oder ob es günstiger kommt, einen Waschsalon zu nutzen und sich nicht mit Energie oder Wartung der Maschinen auseinandersetzen zu müssen.

Wie seht ihr das?

*Ich sage jetzt nicht, dass alles von Primark nach einem Jahr kaputt ist oder dass jede Jack Wolfskin Jacke 10 Jahre hält, wir können auch sagen: sie können sich keine fair produzierte Kleidung von z.B. Armed Angels leisten und kaufen stattdessen Pullover bei C&A

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7 Gedanken zu “Ist Minimalismus für wohlhabende, privilegierte Menschen?

  1. Uff, da wird aber ein harter Brocken hingeworfen, den selbst ich noch nicht so betrachtet habe. Dennoch spreche ich gegen die These.

    Was ist Minimalismus für uns? Warum wollen wir minimalisieren? Worauf wollen wir verzichten?
    Allein diese drei Fragen machen eine Antwort auf die These, Minimalismus sei nur für Wohlhabende, schier unmöglich. Ich sehe Minimalismus als eine Reduzierung auf das Notwendige an und das sich trennen von Unnötigem. Eine Waschmaschine halte ich beispielsweise für nötig. Ein anderer will vielleicht wirklich die „magischen 100“ erreichen, komme was da wolle. Ich möchte minimalisieren, weil ich gemerkt habe, wie sehr mich alles ablenkt, mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Eine Freundin von mir hat sich gerade minimalisiert, weil sie in ein geerbtes kleines Gartenhäuschen gezogen ist, wo wenig Platz ist. Ich verzichte auch alles, was über den Status „genug“ hinaus geht. Manche eben auch auf mehr, um ganz minimalistisch zu sein.

    Besagte Freundin lebt übrigens sehr, sehr bescheiden, da ihr nicht wirklich viel Geld im Monat zur Verfügung steht, hat aber alles was sie braucht. Nur als Gegenbeispiel. Der Punkt mit den Ersatzteilen in Deinem Text hat übrigens auch einen Stolperstein. All die gehorteten Sachen sind ja irgendwann mal gekauft worden, jedoch sinnlos, da sie ja in Regalen auf einen Einsatz warten. Warum kauft man sie nicht erst dann, wenn man sie braucht. Wenn ich an manche Ersatzteillager bei Freunden denke, liegen dort ein paar Hunderter in Form von „Kann-man-mal-brauchen“ in den Schränken. Und so verhält es sich auch mit Kleidung, Schuhen und anderen Dingen, die oft in Masse vorhanden sind, aber ungenutzt bleiben. Alleine hier ist ein riesiges Potenzial Geld zu sparen, indem man nur bei Bedarf kauft und nicht eben mal so. Es heißt auch, wenn man es nicht hat, kann man es sich borgen. Im letzten halben Jahr habe ich meine Nachbarn so viel besser kennengelernt, weil wir uns Werkzeuge und Arbeitskraft geliehen haben, es ist der Wahnsinn. Dafür brauchte ich kein Geld, nur den Mut fragen zu gehen, manchmal auch eben öfter an anderen Türen. Fündig wurde ich aber immer.

    Ich bin der Meinung, dass Minimalismus nicht abhängig vom vorhandene finanziellen Spielraum ist, sondern an der Einstellung dazu. Wenn wir alle erkennen würden, dass wir alle eigentlich genug haben und den Mut aufbringen wieder auf Andere zuzugehen,,dann ist minimalistisch leben in allen Schichten möglich. Jeder hat seine eigenen Gründe und Vorgehen dabei, es sollte auch nicht zum Wettkampf ausarten, lieber zu Erkenntnissen.

    Danke für Deinen Beitrag. Ich hoffe, meine Worte sind nicht zu wirr, ich hatte nur zu viele Gedanken für einen kleinen Kommentar.

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    • Danke für deinen langen Kommentar, den ich ganz und gar nicht wirr finde. Er arbeitet nochmal sehr schöne Beispiele durch :) was du und auch konsumblockade betonen, nämlich dass Minimalismus für jedrn anders aussieht ist mir zugegebenermaßen beim Schreiben nicht 100%ig präsent geblieben, obwohl ich diese These auch vertrete. Ich hatte irgendwie das Bild eines social-media-alles-weiß-bis-auf-das-silberne-macbook-minimalismus-hipsters im Kopf, shame on me.

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  2. Interessanter Gedanke Marie.
    Grundsaetzlich stimme ich dir zu: Um minimalist zu sein, braucht es keine speziellen finanziellen Ruecklagen. Es braucht aber eine bestimmte Sichtweise auf Dinge und darueberhinaus, muss Minimalismus auch nicht „wenig haben“ bedeuten. Minimalismus bedeutet fuer unterschiedliche Lebensumstaende unterschiedlich viele Dinge, aber in jedem Fall bedeutet es nur das zu haben was notwendig ist. Es kann Lebensumstaende geben, in denen Leihen nicht in Frage kommt, weil es zu umstaendlich waere. Dann waere die Anschaffung einer notwendigen Ressource trotzdem nicht nicht-minimalistisch.

    Ja, wer ganz wenig hat, lebt automatisch minimalistisch (das nenne ich „Zwangsminimalismus“). Dies kommt daher, dass er seine Mittel wohlueberlegt einsetzen muss und sich einfach nichts ueberfluessiges leisten kann. Im Gegensatz dazu stehen „Wahlminimalisten“, die bewusst genau definieren, was fuer ihr Leben notwendig ist und nur diese Dinge besitzen wollen. Wahlminimalisten kann es in allen Einkommensklassen (ausser denen der Zwangsminimalisten) geben. In meiner Wahrnehmung kommen sie allerdings bevorzugt in den gehobeneren Einkommensklassen vor. Ich vermute das hat folgende Gruende:
    1. Minimalismus ist hipp in bestimmten Kreisen. Ressourcenschonen ist hipp in bestimmten Kreisen. Wer Zeit hat sich neben seinem Leben Gedanken ueber seinen Lebensstil zu machen landet nicht selten beim Reduzieren.
    2. Fuer viele Menschen ist der Weg in ein reduziertes Leben Ueberforderung. Fuer mich zB. Es war mir alles zuviel. Zuviele Aufgaben, zuviele parallele Projekte, zuviel Verantwortung und zuviele Dinge. Dinge, die mich langsam machen, um die ich mich kuemmern muss, die ich weg haben will. Oft habe ich den Eindruck, dass das Streben nach einem einfachen Leben bei Leuten mit viel Verantwortung oder hohen Anforderungen in Beruf oder sonstigem Leben besonders ausgepraegt ist. Ich kenne viele Menschen in sehr hohen Fuehrungsposition, die zB. immer den gleichen Anzug tragen. Die haben zwei Anzugarten (einem fuer normal und einen fuer besonders) und moechten morgens einfach nicht noch eine bloede Entscheidung ueber die Kleidung treffen. Weil es nervt, weil es bremst und weil ich, wenn ich einen Anzug habe, der perfekt ist, keinen weiteren brauche. Steve Jobbs ist ein bekanntes Beispiel: immer schwarzer Rolli.
    3. Sich ueber seine Dinge Gedanken zu machen erfordert Zeit ud Ueberblick ueber das eigene Leben. Beides muss man erst mal haben. Es ist hochgradig nichtoffensichtlich fuer die meisten, dass ein Teil ihrer Ueberforderung/Belastung von ihren Dingen stammt. Diese Zeit und diese Musse muss man erst mal haben. Auch die Faehigkeit sein eigenes Leben mit Distanz zu betrachten und halbwegs analystisch die Stolpersteine im Alltag zu analysieren. Dieses Level an Selbstreflektion findet man haeufig in gehobeneren Einkommensklassen. Nicht, weil die irgendwie schlauer sind, sonder weil es fuer diese Menschen oft wichtig ist ihr Leben so zu tunen, dass sie ihren Berif optimal ausueben koennen. Karrieremenschen mit Gutmenschtendenzen.

    Aber auch in den mittleren Schichten findet man „Wahlminimalisten“. Nur sieht das manchmal nicht minialistisch aus. Du schriebst oben schon, dass, wer wenig Ruecklagen hat, Dinge selber aufhebt. Ja. Wenn ich mir nicht mir nichts, dir nichts, ein neues Rad kaufen kann, dann hebe ich vielleicht Teile von alten Raedern als Ersatzteile auf. Meine Eltern sind ein Beispiel dafuer. Viel Geld war nicht da, also wurde viel aufgehoben. Der Trick ist aber, wie immer, seine Beduerfnisse zu kennen. Es bringt mir nichts eine Fahrradgabel auf gut Glueck aufzuheben. Ich hebe sie auf, wenn ich weiss, dass ich sie brache. Dann habe ich zwar viele Dinge, aber ich benutze sie auch. Minimalismus heisst (fuer mich) nicht eine bestimmte Anzahl von Dingen zu haben, sondern genau die Dinge, die ich brauche und keine mehr. Und abhaengig von meinen Ruecklagen, sieht das halt anders aus.

    Ein letzter Punkt, den ich ansprechen moechte, weil du oben ueber Primark oder H&M sprachst: Ich habe oft beobachtet, dass Menschen, die geringe Einkommen haben sehr viel Kurschts kaufen. Je nach Lebenslage Kleidung, Kinderspielzeug, „Maennerspielzeug“ etc. Menschen mit wenig Einkommen kaufen in Freizeitparks ueberteuerte Handyanhaenger mit Glitzersteinchen, die kein Mensch braucht. Manchmal zur Selbstdarstellung „Seht, was ich habe“, aber immer habe ich den Eindruck, dass diesem verhalten der Wunsch zugrunde liegt ein anderes Leben mit mehr Ressourcen zu fuehren. Wenn ich auf knappen Budget lebe, dann habe ich vielleicht einfach oefter das Beduerfnis mir etwas zu goennen. Und da mein Bidget nur fuer Ramsch reicht, goenne ich mir halt Rams oder kaufe meinen Kindern billiges Platikspielzeug. Das wirkt auf mich wie ein Sehnsuchtsverhalten nach einem besseren Leben und was sie von diesem besseren leben unterscheidet ist die Moeglichkeit Wuensche zu erfuellen. Vermutlich koennten sie sich ihre Wunsche viel besser erfuellen, wenn sie statt 10 billige Dinge ein wirklich gutes Ding kaufen wuerden. Aber dieses eine Ding befiredigt dann nicht so sehr wie die schnelle Befriedigun ihrer Sehnsucht durch 10 Mal Plastikmuell.
    Das ist zumindest mein Eindruck. Und diese Gruppe der „Sehnsuchtskonsumente“ ist fuer Minimalismus absolut nicht empfaenglich. Diese Menschen konsumieren, um sich besser zu fuehlen, um ein Stueck von einer Welt zu haben, die ihnen nicht zugaenglich ist und schleppen in kurzfristiges Glueck dann in Primarktueten nach Hause.
    So kommt es mir zumindest vor.

    Um sich davon frei zu machen braucht es die Feststellung, dass dieses kurzfristige Glueck die eigentlichen Beduerfnisse nicht befriedigt und wer von Monatsgehalt zu Monatsgehalt lebt hat es sehr schwer da raus zu kommen.

    Aus diesen Gruenden vermute ich, dass man Leute, die nach einem einfachen Leben streben vorrang unter den Besserverdienern findet. Die eigenen Beduerfnisse zu erfassen setzt vorraus, dass man von seinen Dingen erschlagen wird. Wer aber sein kurzfristiges Glueck im Konsum von Dingen sieht, weil ihm das ein kleines Fenster in eine Welt der finanziellen Sorglosigkeit oeffnet, in der er gerne leben wuerde, der hat es deutlich, deutlich schwerer, sich selber ueber seine eigentlichen Beduerfnisse Gedanken zu machen.

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  3. Hallo zusammen,
    guter Beitrag und interessante Aspekte in den Kommentaren. Danke!
    Mir fällt dazu die Maslowsche Bedürfnishierarchie ein. Das würde auch zu dem Gedanken der „Sehnsuchtskonsumenten“ passen.
    Ich schließe mich eurem Gedanken an. In den Jahren hat man ja nicht nur seine Familie, sich selbst in verschiedenen Lebens- und Finanzstadien, sondern auch andere sehr unterschiedliche Menschen kennen gelernt. Ich glaube entscheidend ist nicht zu Letzt die kulturelle Prägung, das was uns von anderen, von Medien, von außen suggeriert wird. Stellt euch einen Minimalisten ohne Hightech-Ausstattung vor. Geht irgendwie nicht, dann ist er eher ein Öko oder ein komischer Kauz ein Verweigerer. Ohne Waschmaschine leben geht schon eher – aber ohne Internet oder Laptop ist ja kaum vorstellbar.
    Ich denke auch so lange Menschen versuchen den „American Dream“ zu leben, immer erfolgreicher, gesünder, schöner, jünger und DADURCH glücklicher zu sein, werden sie immer nach dem Konsum streben, weil das von allen Seiten so stark auf uns einwirkt. Ich habe das selbst erlebt und gesehen: Du möchtest einfach dazu gehören. Keiner mag doch von sich aus nicht zu den coolen Kids gehören und ob seiner Eigenartigkeit ausgestoßen werden.

    Um sich von seinem Ballast du trennen, muss der Mensch ja erstmal etwas besitzen. Dann sollte er es als Ballast wahrnehmen und nicht als Spiegel seines Erfolgs oder Status in der Gesellschaft. Und um noch mal auf Maslow zurück zu kommen. Erst wenn sämtliche Grundbedürfnisse gedeckt sind, beginnt der Prozess um alles was wir Individualbedürfnis nennen. Spannend finde ich, dass nach der Selbstverwirklichung erst das Streben nach höheren vom eigenen Bedürfnis abgehobenen Idealen kommt. Ökologie, Anteilnahme, Engagement
    Minimalismus ist wie Veganismus in bestimmten Kreisen mit einem hippen Stempel versehen, denn auch die Vorzeige-Minimalisten oder Veganer verkaufen ein Bild von Glück durch absolute Erfüllung: sexy, sportlich, jung und erfolgreich durch Attila Hildmann … bla. Das ist auch wieder eine tolle Industrie. Kauf dir ein tolles teures weißes Notebook und du kannst alles damit machen und kannst dein ganzen anderen Kram entsorgen, dann bist du noch hipper, noch glücklicher, nach außen erfolgreicher und ein Vorreiter. Du kannst dich über den schnöden Pöbel erhöhen, der immer noch an der Konsumentennadel hängt.
    Andere verzichten, wie ich – auch aus ökologischen Gründen auf den ganzen Kram, wir sind dann sowieso noch viel besser, denn hier steht nicht Individualität auf der Fahne sondern Ethik. ;)
    LGEsther

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  4. Liebe Marie, ich bin heute auf deinen Blog und Artikel gestoßen – super interessante Fragestellung. Beim Lesen habe ich gemerkt, dass ich keine eindeutige Meinung bilden konnte. Ich glaube bis zu einem gewissen Punkt stimmt es schon, dass man um minimalistisch leben zu können, zumindest geringfügig Rücklagen braucht. Aber wie du das auch schon erläutert hast, haben die Menschen von denen wir hier reden diese. Schließlich können sie sich ja Kleidung, Spielzeug etc. leisten. Ich glaube schon, dass auch nicht privilegierte Menschen minimalistisch leben können, aber dann müssen bestimmte Faktoren vorhanden sein. Zum Beispiel ein gutes und flexibles Umfeld, dass in Notsituationen aushelfen kann. Dass wenn man selbst sein Kind nicht abholen kann, weil man kein Auto besitzt und die öffentlichen Verkehrsmittel streiken, ein Freund einspringt. Oder das man kreativ ist und wenn man sich Reparaturen nicht leisten kann sich etwas anderes ausdenkt. Oder das man extrem sparsam ist und auch mit wenig Geld Rücklagen schafft. Ich denke da spielt viel da viel mit rein, aber die These Menschen mit wenig Geld können nicht minimalistisch leben würde ich so nicht unterschrieben.

    Viele Grüße
    von deiner Namensvetterin :p

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