Was mich der Verlust meines Portemonnaies gelehrt hat

Vor knapp 2 Wochen kam mein Portmonnaie abhanden. 3 Tage lang suchte ich akribisch alles, aber auch wirklich alles, ab und kontaktiere alle öffentlichen Einrichtungen im Umkreis. Mittlerweile bin ich überzeugt: Das Portmonnaie wurde mir aus dem Rucksack geklaut, nachdem jemand bei meinem Bäckerei-Einkauf gesehen hatte, wo ich es hinpackte und ich einen Moment danach abgelenkt war.

Ich verlor: Personalausweis, Führerschein, Studentenausweis (mit dabei: Bibliothek, Ticket, Mensa), 70€ Bargeld, Payback-Karte, Krankenkassenkarte, 2 EC-Karten, 1 Kreditkarte, und mein schönes Portmonnaie, das mir seit 10 Jahren gute Dienste leistete und es noch weitere 10 Jahre getan hätte.

Ja, das ist schon schlimm. Aber eigentlich auch wieder nicht.

  1. Ich kann besser loslassen, seit ich mich mit Minimalismus beschäftige.
    In meinem Leben hat sich kaum etwas verändert. Ich bin der selbe Mensch wie zuvor. Ich bin immer noch reich. Ich lebe mein tägliches Leben fast genau so wie vorher. Ich bin abgesichert in einem Staat mit Rechtssystem und Krankenversicherung.
  2. Auch wichtige Dinge sind nicht unersetzlich.
    Es ist nur eine kleine bürokratische Hürde, eine neue EC-, Studenten- und Krankenkassenkarte zu beantragen. Es geht eigentlich recht schnell. Für den Perso und Führerschein habe ich auch schon einen Termin im Rathaus ausgemacht.
  3. In Zukunft werde ich nur das nötigste mit mir herumtragen. Ich bin nicht jemand, der tausend verschiedene Rabattkärtchen und Visitenkarten besitzt. Nur die Payback-Karte nutze ich gern; Gutscheinhefte habe ich vom Frisör und Schuhgeschäft – die lagern allerdings zuhause. Die ganz offensichtlich sinnlosen Dinge, die ich täglich dabei hatte, erkannte ich überhaupt nicht, bis sie auf einmal weg waren: Ich kann mich nicht an das letzte mal erinnern, dass ich Auto gefahren bin. Wieso habe ich dann jeden Tag meinen Führerschein mit mir herumgetragen? Meine Kreditkarte benutze ich ausschließlich im Ausland. Wieso habe ich sie jeden Tag dabeigehabt? Die neuen Karten gehören jetzt in die Schreibtischschublade und werden nur eingepackt, wenn ich weiß, dass ich sie brauche.
  4. Was ich brauche, kann ich von anderen leihen oder bekommen.
    Menschen sind hilfsbereit, man muss sie nur fragen. Als ich kein Ticket und keine Mensakarte hatte, habe ich andere Studenten gefragt, ob sie mich auf ihrem Ticket mitnehmen oder mein Essen gegen Bargeld bezahlen. Der Ticketkontrolleur ließ mich ohne Erhebung einer Verwaltungsgebühr weiterfahren, als ich ihm die Situation schilderte und die Bestätigung der Polizei zeigte. Bei der Polizei, wo ich Anzeige erstattete und bei der Bank, wo ich meine neue EC-Karte beantragte, bekam ich sehr gute Beratung und Hilfe.
  5. Manchmal kommt das, was man braucht, von alleine.
    Als ich schon darüber nachdachte, was für ein neue Portemonnaie ich mir kaufe und woher ich es bekomme, boten mir meine Großeltern bei einem Besuch eines an, das sie aussortiert hatten*. Es sieht fast genau so aus wie mein altes ;) Perfekt.
    (*Meine Großeltern könnten gute Minimalisten sein, da sie ständig am Aussortieren sind und anderen ihren Kram andrehen – das einzige Problem ist, dass sie auch gern immer neues Zeug anschaffen ;))

 

 

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4 Gedanken zu “Was mich der Verlust meines Portemonnaies gelehrt hat

  1. das mit dem besser loslassen kann ich gut verstehen. oft hängt man irgendwie an sachen aber wenn sie dann mal weg sind vermisst man sie gar nicht mehr. seit mir das bewusst aufgefallen ist, tu ich mir bei verlust bzw. beim weggeben von dingen auch viel leichter! :)
    lg cao

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